Ich schreibe keine Fantasy. Ich schreibe historische Geschichten über imaginäre Orte.
― Raymond E. Feist

Hallo, ich bin Anne Nattermann, und ich schreibe Fantasy-Bücher für Erwachsene

– Fantasy? Warum denn das? Mit Mitte 30 immer noch nicht erwachsen? Schwere Kindheit gehabt? Keine Deutschlehrerin, die dir was Vernünftiges beigebracht hat?

Jo.

 

– Immer so wortkarg?

So wortkarg, dass ich vor 300 Buchseiten selten auf den Punkt komme, wenn ich etwas Wichtiges zu sagen habe.

– Das klingt ja lästig.

Manchmal, ja. Aber das Bücherschreiben ist von allen Bewältigungsstrategien, die ich bislang ausprobiert habe, trotzdem noch die beste.

– Ach herrje, was hast du denn zu bewältigen?

Innere Stimmen, die mir polemische, kampflustige Fragen stellen, zum Beispiel.

– Wieder zurück zum Ausgangsthema.

Is klar.

– Warum jetzt also Fantasy?

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Einige davon liegen in meiner eigenen Geschichte begründet. Ich bin mit Märchen großgeworden: 1001 Nacht, Gebrüder Grimm, ostdeutscher Kommunismus.

– Wie kommt man denn von Kommunismus zu Drachen und Werwölfen, bitte? Nimmst du dich da nicht ein bisschen zu ernst?

Ja. Ich nehme mich viel zu ernst. Vielleicht schreibe ich deshalb Fantasy. Es ist eben sehr viel weniger ernst, von übermächtigen Drachen zu erzählen und von fiktiven Helden, die sich der Übermacht entgegenstellen, als über real existierende Systeme, die reale Leben zerstören. 

– Realitätsflucht also. Großartig.

Find ich auch. Wir alle brauchen mal Urlaub von der Realität. Aber so ganz gelingt das sowieso nie. Unsere Lebenswirklichkeiten färben immer auch auf unsere fiktiven Geschichten ab. Und wenn es nach mir geht, soll es auch so sein.

– Warum das?

Gute Fantasy-Bücher für Erwachsene gewähren uns eine kleine Pause vom Alltag – das ist übrigens kein Luxus, sondern notwendig. Aber im Idealfall geben sie uns noch viel mehr: Inspiration, Reflexion, Trost, einen Anstoß zum Träumen, Nachdenken und Revolutionen anzetteln. Fantasy-Bücher können all das, aber nur dann, wenn sie zwischen dem ganzen Zauberkram auch reale Themen behandeln.

– Wie zum Beispiel Drachen und Vampire ...

Drachen und Vampire sind ziemlich real. Statt mit Schuppen und Fangzähnen kommen sie in unserer Welt mit Seidenbluse und Schlips daher.

– Ach Gott, jetzt kommt’s: Die immerguten, strahlenden Helden gegen die fies grinsenden Bösewichte, die nichts Besseres zu tun haben als grundlos die Welt zu vernichten.

Niemand handelt ohne Grund. Das sollten auch Fantasy-Charaktere nicht. Und wer mit offenen Augen durch die Welt geht, wird auch schnell erkennen, dass die Begriffe von Gut und Böse viel zu einfach sind, um unsere komplexe Realität zu beschreiben.

– Äh. Es gibt kein Gut und Böse? Muss ich jetzt Angst vor dir haben?

Nur wenn du ein Schokoladenkuchen bist. Dann kenne ich keine Gnade. Ansonsten bin ich ziemlich harmlos.

– Und weil du so harmlos bist, schreibst du über Mord- und Todschlag? Geht’s in Fantasy-Büchern nicht immer nur darum, mit magischen Flammenbällen Gegner zu rösten und mit dicken Schwertern Köpfe abzuhauen?

Dass Fantasy-Bücher für Erwachsene, und leider auch für Kinder, Gewalt oft actionfilmartig abbilden und damit glorifizieren, lässt sich nicht von der Hand weisen. Schön finde ich das auch nicht.

– Und deshalb ist in deinen Büchern alles Friede, Freude, Eierkuchen? Klingt ja superaufregend.

Nee. Solange es Gewalt in der Welt gibt, solange sollte Gewalt auch Gegenstand in Fantasy-Büchern sein. Alles, was uns Menschen ausmacht, muss in die fantastische Literatur mit einfließen. Aber wie man Gewalt darstellt und warum, darüber muss man sich als AutorIn ein paar Gedanken machen, wenn man die menschliche Neigung zu Hass und Krieg nicht noch weiter befeuern will. 

– Nimmst du dieses ganze Fantasy-Gedöns nicht ein bisschen zu wichtig?

Worte haben Macht. Bücher haben eine Wirkung. Auch Fantasy-Bücher.

– Und du machst die Welt mit deinen Büchern jetzt besser?

Ich will sie zumindest nicht noch schlechter machen.

– Na, viel schlechter geht’s ja auch nicht.

Die Stärke von Fantasy-Büchern liegt darin, uns zu zeigen, dass es sehr wohl noch schlechter geht. 

– Toll.

Und manchmal zeigen sie uns auch, dass die Welt auch viel besser sein könnte, als sie es ist. Beides haben wir dringend nötig.

– Blast den Klimagipfel ab! Wir haben die Lösung für die Rettung der Welt gefunden: Fantasy-Bücher!

Was wir auch gebrauchen könnten, wäre weniger Zynismus.

– Ich kenne deine Bücher.

Ein bisschen Zynismus ist okay ...

– Was dürfen wir außer Selbstgesprächen in nächster Zeit noch von dir erwarten?

Momentan arbeite ich mit Vollgas an mehreren Projekten. Ich habe zwei Fantasy-Bücher für Erwachsene in der Überarbeitung und gerade den ersten Teil einer Fantasy-Reihe abgeschlossen, die Anfang 2020 an den Start gehen wird. Und in meinem frisch geschlüpften Blog gibt es von nun an regelmäßig Buchrezensionen, Meinungen und Neuigkeiten rund um das Thema Fantasy. 

– Fantastisch.

Hauptsächlich, ja. Vielleicht auch ein bisschen Sci-Fi. Wer mehr von mir lesen möchte, der kann sich außerdem für meinen NATTERLETTER anmelden. Dort wird es regelmäßig Kurzgeschichten, Updates zu neuen Veröffentlichungen und ähnlichen Wahnsinn geben – direkt ins E-Mail-Postfach. Besonders als Jungautorin freue ich mich über jeden Abonnenten.

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